Turnverein in Hamburg – extended Version – 16.–18. September 2006 - TSV Tägerwilen

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Turnverein in Hamburg – extended Version – 16.–18. September 2006

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Die Rumreiserei, die macht mich wahnsinnig, des macht mich alles so Wahnsinnig. Mit dem Turnverein auf Turnfahrt – da muss man einfach drüber reden. OK es war anders als sonst. Drei Tage sollte des dauern, aber ich weiss doch gar ned, ob ich des drei Tage mit den gleichen Gesichtern aushalte. Und man wusste ja nich mal, wo’s hingeht. Die sagten nur, dass mer de Flieger nehme! Ja, die Flüge, die sind ja soo billig, die sind alle so mies billig, da muss man ja einfach fliegen.
Rafael Studerus und Christoph Bär, die beiden Organisatoren sagten erscht am Flughafen, wo’s hingeht. Stell’ dir des mal vor, du fahrsch in de Ferien, aber weisch ned wohi. Des isch wie wenn’d e Kind kriegsch. Erscht wenn’s rausflutscht, gsesch, dass kei Schnidel hat – aha, des isch e Weibsbild!
Tja, erscht am Check−in haben’s de Katze aus dem Sack gelassen: Wir fliegen nach Hamburg! Ha, Hamburg, mit em Fritz zum Kiez!
Die Organisatoren verteilten ein superschön gestaltetes Programm. Und obwohl es erst scheissenochmal 6.40 Uhr mitten in der Nacht war, wurden beim Durchlesen in anbetracht der bevorstehenden Programmpunkte nicht nur die kleinen Äuglein immer grösser… Check−in, Passkontrolle, ein erstes Bier und: «Ready for Take−off»!
Ab nach Hamburg. Verschiebung zur Unterkunft mit Bus, Zug, U−Bahn. Super schöne Jugendherberge, geiles Wetter, gute Stimmung. Hunger, zweites Bier, Hunger gestillt!
Durst, drittes Bier, Durst gelöscht! Gestärkt machten wir uns auf den Weg zu den Landungsbrücken im berühmten Hamburger Hafen, wo eine Rundfahrt mit dem Schiff auf dem Programm stand (in Klammer Bier 4–8). Faszinierend und beeindruckend, die grosse, weite Welt so nah und pur zu erleben.
Nachdem wir wieder festen Boden betreten hatten, machten wir uns auf zum alten Elbtunnel. Zwei gekachelte, 6−m−Durchmesser Tunnelröhren in 24 Meter Tiefe. Alles betonierte Löcher – hängen geblieben – seid mer ned bös – und dann führen sie von einem Ende zum Andern, ich weiss es doch. Ich hab’ schon Tunnels besucht, die nen Sicherheitsstollen hatten, ich bin der letzte Tunneltouri. Tunnels besucht, die n’Lüftungsschacht haben, alder. Die sind so lächerlich. Die sind so belüftet die Tunnels. Das zieht es von einem Ende zum Andern, und da holen die sich die Erkältungen. Da müssen wir uns die Mützen anziehen. Ich schwör’s euch. Tut mir einen Gefallen: geht ja ned ohne Mütze in det Loch runter. Die sind die durchzogenen Tunnels, alder.
Dann endlich etwas Erholung. Für ein kurzes Power−Naping in einem nahe gelegenen Park legten wir uns in die untergehende Sonne, damit wir uns anschliessend wieder voll fit auf den Weg zum Abendessen machen konnten. Anschliessend gab’s im «Schweinske», wie der Name schon vermuten lässt, Schweine−Spezialitäten, natürlich passend zum Turnverein und Bier Nr. 9 bis 12!
Dann endlich: Auf zur Reeperbahn! St.Pauli by Night – aber die meisten wollen des vertusche. Erzählt des ned rum. Bitte erzähl es nich rum, dass du mit mir auf’m Kiez warst. Das bleibt under uns. Ich hab’ eh ein schlechtes Gewissen, dass du mit mir auf’m Kiez warst. Also so ein scheiss Gelaber, dass kann sich doch echt kein Schwein anhören.
Zum Glück hatten die vom OK noch nen Trumpf im Ärmel: Tickets für die Schmidt−Mitternachtsshow!
Eine hammergeile Show! Ein lehrreicher Abend. Denn jetzt weiss jeder, wieso man ein Schiff nicht lebend verlässt, wenn das ne’ deutsche Flagge trägt, wie auf einem Barhocker vier homosexuelle Platz finden oder dass man niemals während einer Show auf’s Scheisshaus geht.
Leider blieb des Schreibers Feder unbekannt ob nach der Show noch jemand eine Spritztour unternahm, irgendwo einen Zwanz'g−Räppler investierte, eine Tante besuchte oder sonst wo auf Safari ging. Aber wir woll’n ja nicht unnötig alte Wunden aufreisen. Aber eines ist uns seit dieser Nacht klar, warum Frauen vor dem Schlafengehen Knoblauch fressen.
Trotz kurzer Nacht schafften es am Sonntagmorgen ein paar verschlafene Gesichter in den Genuss des Frühstückbuffets zu kommen. Allerdings wurde dies von einer griesgrämigen, alten dicken Frau mit den Worten: «Frühstück iss’ bis 9 Uhr»! jäh beendet. Also ich weiss ned, ob ihr «Frühstücker» seid, ich mein, jeder hat schon mal gefrühstückt, äh? Ich bin aber kein chronischer Frühstücker. Ich brunche richtig gerne. Brunchen des isses, schön die Brötchen weghauen – Bu, bubuu, Butter muss es geben, der Honig muss flutschen, die Eier müssen schön hart gekocht sein, Müsli muss es geben, alder, schön flatsch, flatsch, flatsch.
Danach gings zum Fischmarkt. Und ich sage euch, es gibt nur zwei Dinge, die nach Fisch stinke, alder! Und eins davon ist Fisch!!!
Aber trotzdem lustig, dieses bunte legale Treiben in Hafennähe. Zum Glück für uns, dachte keiner der Marktschreier ans pünktliche Aufhören. Ebenfalls noch lange nicht Schluss war in der angrenzenden Fischauktionshalle, wo eine Live−Band dem Publikum mit alten Schlagern tüchtig einheizte.
Danach trennte sich unsere Gruppe. Ein Teil checkte die Stadt im Doppeldeckerbus. Der andere Teil hatte einen Energieschub und erklomm zu Fuss die Aussichtsplattform der St. Michaeliskirche. Das war vielleicht schön, des war so scheen, ich dachte fast, ich komme… da nicht mehr runter!
Stadtrundfahrer, Treppensteiger und Langschläfer traffen sich am Nachmittag wieder vereint in der «Color−Line−Arena», wo wir unsere Lieblingmannschaft die «Hamburg Frezzers» im Kampf gegen die «Nürnberg Ice Tigers» unterstützten – leider ohne Erfolg!
Und es schmerzt schon, als langjährige Frezzer−Fans mit einer Niederlage das Stadion verlassen zu müssen – des scheisst echt an!
Aber für das Nachtessen hat sich unser OK wiederum etwas spezielles ausgedacht, dass den Frust schnell vergessen liess. Auf dem im Hafen liegenden Feuerschiff, das im Jahre 1991 in ein Restaurant umfunktioniert wurde, war für den Turnverein die ehemalige Brücke gleich unterm Leuchtturm reserviert. Selbstverständlich bestellten die meisten Fisch, der ganz lecker schmeckte. Und der schöne Sonnenuntergang, muss dafür verantwortlich gewesen sein, dass einige sich zu Hause melden mussten. Die sind so blöd, da rufen die zu Hause an und labern die ganze Scheisse runter: «Oh, des is so scheen, au des ises, des is so en schöner Abend, des is so romantisch – wie goht’s em Jan?» Alles abgedrehte Typen, alder. Die gehören doch weisste wohin, eh?
Das – trotz fortgeschrittener Stunde – immer noch sehr warme Wetter lockte uns dann aufs Deck, wo ziemlich lange und ausführlich sämtliche Grundsatzfragen des Lebens mal endlich ausführlich diskutiert wurden. Und gerade diese unendliche, aufrichtige Ehrlichkeit muss dafür verantwortlich gewesen sein, dass unisono beschlossen wurde, wenn schon Hamburg dann nochmals Reeperbahn.
Doch zuerst wurde mittels Handstand−Wettbewerb quasi ein Alkoholtest durchgeführt. Dieser fiel bei allen Teilnehmenden negativ aus, somit muss der Sieger positiv gewesen sein. Die anwesenden Hafenbesucher dürften darüber wohl anders gedacht haben. «Scheiss−Touristen»!
Auf dem Kiez angekommen, staunten wir aber nicht schlecht, wie leer das hier am Sonntag Abend ist. Da hat uns der Reiseführer wohl ein bisschen verarscht, von wegen nächtlich 40'000 Besucher und so. Na gut, dafür fanden wir in einer Bar mit Live−Musik schnell genügend Platz, wo wir den Abend gemütlich ausklingen liessen. Ausser denjenigen, die auf der Herbertstrasse noch ihr Glück versuchten. Da wollens dann für’n 30er, nen 20er und all so Experimente. Sind alles abgedrehte Burschen… und dann wundern sie sich, wenn man über die ganze Bieterei noch labert. So abgefahr’ne Vögel, die gehören doch weisste wohin, eh?
Am Montag morgen hiess es nach dem Frühstück – auch für diejenigen, die keines erwischt hatten – Koffer packen und auschecken, zum Hauptbahnhof, Gepäck in Schliessfächer. Anschliessend machten wir uns auf zum längsten Fussmarsch aller Zeiten.
Vom HB ging es auf direktestem Weg in die neu entstehende Hafen City, wo wir die U−434 besichtigten. Das 90 m lange U−Boot wurde 1976 in Russland gebaut und 2002 nach Deutschland überführt und in ein Museum umfunktioniert. Während einer Stunde hat uns der deutsche Führer – äh der Tourguide – interessante Details erläutert und einige Geschichten aus dem kargen und gefährlichen Matrosenleben erzählt.
Mit einem Sightseeing−Bus kreuzten wir als 0815−Touris zurück in die City und flanierten auf der Mönckebergstrasse, Hamburgs Top−Fussgängerzone entlang. Am Herbstfest fassten wir einen Fast Food und fassteten fast ohne Food, der uns fast aus der Fassung brachte! Aber dann fassten wir uns ein Herz und besuchten noch das Erotic Art Museum!
Notaben der Höhepunkt unser Reise. Das im Rotlichtbezirk domina… domizilierte Museum, zeigt nicht nur nackte Weiber ähh… antike und zeitgenössische erotische Kunst aus allen Erdteilen, sondern auch die geschichtliche Entstehung und Entwicklung St.Paulis und seiner Etablissements. Auf gut Deutsch: Wo die Puffs herkommen!
Zurück am Hauptbahnhof verschafften wir uns mit einem Coupe die notwendig gewordene Abkühlung – Schliesslich zeigte das Thermometer immer noch über 20° Celsius. Für das Familienalbum posierten wir noch vor dem Hauptbahnhof, bevor es mit dem Bus zum Flughafen ging, von wo uns die AirBerlin wieder sicher nach Zürich zurück brachte.
Müde aber gutgelaunt bestiegen wir zum letzten mal den Zug richtung Heimat.
Abschliessend bleibt nur noch den Reiseführern Raffi und Tiger zu danken, für die tollen Programmideen und die super Organisation. Super auch weil die das gratis gemacht haben. Ich sag immer wieder, die Reisebüros sind raffiniert – die nehmen die Kohle an. Die sind raffiniert. Und gerade deshalb haben sich die beiden aufstrebenden Turnfahrtorganisatoren wärmstens für viele weitere Jahre empfohlen.
Moin, moin!
Weinfelden, im Oktober 2006, Oliver Burkhard
© TSV Tägerwilen

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